…oder meinen die das wirklich ernst?
Nachdem vor einigen Tagen die neue Verordnung in Kraft trat, wollte ich bei meiner letzten Reise das Ganze mal am eigenen Leib testen.

Bewaffnet mit Zahnpasta und Rasierwasser (beides an der kritischen Grenze von 100ml) machte ich mich von Frankfurt nach Italien/Verona auf. Eine berüchtigte Achse des internationalen Terrorismus!

In Frankfurt ist man sichtlich bemüht, auf die neuen Regeln aufmerksam zu machen. Überall Plakate und kostenlose, durchsichtige Zipper-Tüten.

Mann stellt sich also brav in die Reihe mit den anderen Schwerverbrechern auf und kann in der Zeit, in der die Schlange vor einem abgearbeitet wird, schauen, was die anderen Schwerverbrecher für Toilettenartikel nutzen.

Man kann bei Gesprächen lauschen, die ablaufen wie: Wieso kann ich das Wasser nicht mitnehmen? Da ist doch weniger als ein Viertelliter übrig? Das ist so! Entweder Sie lassen die Flasche hier oder Sie fliegen eben nicht mit!
Man kann zusehen, wie andere sich fast bis auf die Unterhose ausziehen müssen, weil die Quotenlampe aufblinkte und irgendwann ist man dann selbst dran. Die Tüte wird gescannt und man denkt, erstmal: Hmmm… war ja garnicht so schlimm…, aber dann, als man einpacken will, kommt der Befehl:
Zeigen Sie mal!
Gehorsam zeigt man die transparente Tüte und beobachtet, wie der Inhalt vorsichtig einer weiteren optischen Analyse unterzogen wird.
Was ist das?
…kommt nach einiger Zeit eine Frage. Ich vermutete hier ängstlich eine Fangfrage und war mir unsicher, ob wirklich eine Antwort erwünscht war. Mir war aber klar, dass ich auf keinen Fall den Bombenwitz machen darf.
Rasierwasser? antwortete ich zögerlich.
Aha, das ist aber zu groß, das bleibt hier!
…wird mir entgegengeschmettert.
Ähhh, nein, das ist ein nicht voller 100ml-Behälter.
Hmm… und das? Was ist das?
Der Kontrolator zeigt vorsichtig aus der Ferne auf die Zahnpasta. Gleiche Prozedur also wieder wieder: Fangfrage? Antwort, Einspruch und dann doch die Erlaubnis.
Prima, Fliegen ist wiedermal ein ganzes Stück angenehmer geworden. Aber es war ja von Frankfurt aus, einem wirklichen Knotenpunkt.
In Italien, bei der Reise von Verona nach Bozen und wieder zurück, musste ich leidend die Weinempfehlungen meines Kollegen Guiseppe ausschlagen, weil Wein leider in Flaschen mit mehr als 100ml abgefüllt wird. Es tat wirklich weh, ihm beim Verladen der seiner Kisten zuzusehen…
Beim Rückflug nahm ich in meiner grenzenlosen Naivität an, dass Italiener an einem Flughafen, der vermutlich erst vor kurzem von Gras- auf Asphaltbahnen aufgestiegen ist, das Ganze mit einer natürlichen Lockerheit über die Bühne laufen lassen würden.
Kaum Plakate, bzw. die wenigen sichtbaren waren wirklich klein. Ich stelle mich also in eine Schlange ohne Plakat und lasse das Rasierwasser und die Zahnpasta einfach mal da wo sie sind.
Vor mir spielen sich wieder die gleichen Szenen wie in Frankfurt ab und dann bin ich dran und werde auch gleich erwischt!!!
Nicht angemeldete Flüssigkeiten und schlimmer: eine Sachertorte!!! diese ist quasi flüssig, also eine vollwertige Bombe! Ich komme in den Genuss der Aufmerksamkeit sämtlicher Kontrolatoren und muss alle Verhandlungskunst aufbringen, um die Sachertorte doch noch mitnehmen zu dürfen…
Fliegen macht einen Höllenspass!!! Ich lerne daraus:
  • Fliegen ist nicht sicherer!
  • Die Würde des Menschen ist doch antastbar!
  • Die EU hat beschlossen, die gleichen Prüfungskosten für einen Flug von London nach New York, wie für einen von Mannheim nach Paderborn zu übernehmen.
  • Firmen die versiegelbare Duty-Free-Tüten herstellen, haben kistenweise Champagner bestellt.
…geht die Rechnung gesamtwirtschaftlich wirklich auf?